Einmal ohne die Kinder verreisen, ein Abenteuer erleben, darf ich das?
Meine Geschwister hatten schon länger den Wunsch, einmal den Yukon mit dem Kanu zu befahren. Als die Idee konkreter wurde, entschied ich mich, auch dabei zu sein. Dank meinem tollen Mann war dies auch möglich!
Wir planten unsere Reiseroute ganz im Norden von Kanada, von Whitehorse mit dem Kanu bis nach Carmacks.
12 Tage würde ich schlussendlich weg sein, mit der ganzen Anreise. Organisatorisch eine Herausforderung, aber machbar! Und ein Riesen-Geschenk, wenn man so etwas mit seinen Geschwistern erleben darf! Natürlich vermisste ich meine Familie – aber wir alle waren so komplett im Outdoor-Feeling ( und ohne Netzempfang) und beschäftigt mit den alltäglichen Aufgaben im Camp, dass wir abends müde ins Zelt fielen und nicht viel Zeit hatten, überhaupt an irgendetwas denken! :-)
Hier könnt ihr gerne unsere Tour nachlesen:
Von Vancouver sind wir nach Whitehorse im Yukon weitergeflogen. Totales Goldgräberfeeling! Wir haben noch ein letztes Mal eingekauft, die Kanus beladen und dann gings los.
Tag 1: 30 km - 5.26h im Kanu
Nachdem wir alles verladen hatten gings endlich los! Wir fuhren 30 Minuten zum Startpunkt und dann hiess es erstmals, das ganze private Material und Zelte, Food, Küchenutensilien für die nächsten 6 Tage in die Kanus packen. Gemütlich gings dann los auf dem Yukon…. Wir dachten schon, warum fahren wir nur bis Carmacks? Es ist ja so easy… 😉 Bis dann der See kam - der Lake Laberge zeigte sich nicht von seiner besten Seite... 😬🫣 Es war windig, hatte starken Wellengang und war streng zum paddeln. Aber wir haben es geschafft und kamen am späten Nachmittag beim Lagerplatz an… Dann war aber nichts mit ausruhen: alles musste ausgeladen werden, die Kanus auf sicheren Grund hochgetragen und befestigt, es hiess Zelt aufstellen, Feuerholz suchen etc… unsere Arme schmerzten und wir fielen müde aber happy ins Zelt.
Tag 2: 36 km / 7.19h im Kanu
Nach einem tollen Frühstück gings los auf dem See… wir hatten grossen Respekt vor dem Paddeln auf dem See, da es am Tag zuvor sehr streng war… wir mussten ziemlich paddeln und für die meisten von uns war es rückblickend der anstrengste Tag. Zum Glück hatten unsere Guides Amy und Hanna die Idee, zu segeln! Also hielten wir alle Kanus zusammen (mit Füssen und Händen!) und spannten das Küchenzelt vor die Kanus! So segelten wir ca 15 km! Es war richtig cool! Wir machten auch so Mittagspause: „Floating Lunch“.
Nach dem Ankommen und Einrichten gabs wieder einen feinen frisch gekochten Znacht und Whiskey und Marshmallows am Feuer! Daniel ist jeweils für die Feuer zuständig und wie wir ihn kennen, sind diese sehr gross. Unser Guide Amy war nicht immer gleicher Meinung, wie gross ein Feuer sein sollte… Als er einen ganzen Baum fällen wollte, musste sie ihn bremsen… 🤣😆
Wir hatten eine sehr coole und lustige Truppe und sind abends lange zusammen gesessen. Da es hier oben zur Zeit immer hell ist, kamen unsere Schlafmasken zum Einsatz.
Tag 3: 53 km - 6.18h im Kanu
Endlich legten wir die letzten 4km auf dem Lake Laberge zurück. Wir waren alle froh, zurück auf dem Yukon zu sein. Mit der Strömung war das Paddeln und Vorwärtskommen wieder viel leichter. Wir hatten immer wieder Stromschnellen zum unfahren, aber im Vergleich zu den Tagen vorher war es ein Klacks!
Bei einem kurzen Stopp am Vormittag haben die Jungs innerhalb vom 5 Minuten 4(!) Fische gefangen. Daniel hat sie alle ausgenommen und zum frischhalten hat er sie hinten ans Kanu gebunden.
Unser Camp für diese Nacht war auf Hootalinqua Island. Auf dieser Insel stand zur Zeit des Goldrausch, wo es viel mehr Bootsverkehr auf dieser Strecke gab, mal ein Postoffice und eine Polizeistation.
Tag 4: 60km - 5.30h im Kanu
Kurz nach dem Start übten wir Wendemanöver in starker Strömung. Wir durchquerten mit dem Kanu den Fluss und stoppten beim alten Schiffswrack von Hootalinqua. Es war spannend die alte S.S. Evelyn zu sehen und fast unvorstellbar, das es mal so viele Leute hier hatte!
Bei leichtem Regen machten wir wieder einen Floating Lunch, da kamen wir gut vorwärts.
Nach der Ankunft am Lagerplatz zeigte sich, wir waren schon ein eingespieltes Team: Kanus ausladen, Zelt aufstellen, Feuer machen (Daniel), Toiletten-Loch (irgendwo ein Stückchen weg) buddeln, Wasser zum Abwaschen holen und ebenfalls ein Loch buddeln für das schmutzige Wasser… 😅 Es gab immer was zu tun! Aber alle halfen mit und es ging von Tag zu Tag schneller…
Wir habe auch alle immer sehr gut geschlafen und nie Angst vor irgendwelchen Tieren gehabt. Diese haben wir bis jetzt noch nicht gesehen… keinen einzigen Bären… 🐻🫣
Aber auf diesem Camping entdeckten wir Wolfsspuren und die Überreste eines Hasen. Daniel hat sie entfernt. Später haben wir noch einen Zahn gefunden… Vom was für einem Tier waren wir nicht sicher.
Die Jungs haben den ganzen Abend gefischt und Ramona hat auf dem Grill Popcorn gemacht 🤗
Tag 5: 55 km - 5.00h im Kanu
Nach dem Frühstück um 7:45 Uhr starteten wir gegen 10 Uhr nach dem Zusammenpacken zu unserer fünften Etappe. Unterwegs legten wir einen kurzen Stopp für eine kleine Wanderung ein und wurden mit einem spektakulären Blick über den Yukon belohnt. Das Wetter meinte es weiterhin bestens mit uns (sonnig und angenehm warm). Tiere liessen sich zwar immer noch keine blicken, dafür waren auch die Mücken kaum vorhanden. Die Pausen machten wir meist direkt in der Strömung, bevor wir den Abend wieder gemütlich am Lagerfeuer ausklingen liessen. Das Highlight des Tages: Fabian baute wohl die schönste Wildnis-Toilette der gesamten Tour. Wenn wir auf die Toilette mussten, gehörte immer auch der Bären-Spray dazu! 🐻
Tag 6: 50km - 4.30h im Kanu
Am letzten Paddeltag standen noch einmal rund 50 Kilometer bis Carmacks auf dem Programm. Am Morgen während dem Aufräumen hörten wir die Gesänge der First Nations von „Little Salmon“, bevor uns die starke Strömung zügig flussabwärts trug. Tiere liessen sich auch heute keine blicken, dafür blieb es wieder bis zum Abend trocken.
Wie an jedem Tag achteten wir darauf, keine Spuren zu hinterlassen: Der Bioabfall wurde verbrannt und die Löcher für Toilette und Abwasch schaufelten wir wieder zu.
Beim Zwischenstop versuchte sich Fabian nochmals im fischen und Daniel suchte nach Gold. Die Müderen unsere Gruppe schliefen einfach direkt auf den Steinen… 🤣
Erst etwa 30 Minuten vor dem Ende der Tour fanden Fabian und Daniel schliesslich ihren gemeinsamen Paddelrhythmus. Kurz darauf legte Daniel noch eine Bilderbuch-Landung hin… So perfekt, dass Fabian dabei unfreiwillig im Yukon landete. 🌊😂
Nach der Ankunft setzte Regen ein, doch wir machten es uns trotzdem gemütlich.
Ramona’s und Marlene’s Zeltstange gab zwar den Geist auf, weshalb unser Guide Amy uns ihr Zelt überliess und selber die Nacht in der Hängematte verbrachte.
Ein passender Abschluss von sechs unvergesslichen Tagen auf dem Yukon. Voller Natur, Abenteuer und Geschichten, die wir so schnell nicht vergessen werden!